„Abgedreht und abgehangen“


Sketch-Comedy zum Thema Suchtmittelmißbrauch

,,Ich bin gekommen, um euch zu zeigen, wie das Böse wirklich aussieht", begrüßte der Hitparadenmoderator seine Gäste. Und ,,Heroin", Startnummer Eins, war besonders ,,erfolgreich": 1500 Menschen riß es im vergangenen Jahr in den Tod. Ebenfalls Favorit: ,,Glückspiel" mit dem Song ,,Black Jack" und 41 Mrd. Mark Jahresumsatz. Hitverdächtig auch ,,Ecstacy" und ,,Cannabis".

Eine skurrile Show sahen Schüler der siebten bis neunten Klasse der Großalmeröder und Witzenhäuser Gesamtschule. Das komisch-parodistische Theaterstück ,,Abgedreht und abgehangen" der Kölner Truppe ,,Comic On" hatte einen ernsten Hintergrund: Es thematisierte Abhängigkeit und Sucht.

Die 70minütige Vorstellung war nur der Auftakt zu einem längerfristigen Anti-Drogen-Projekt: In Zusammenarbeit mit Harald Nolte von der Fachstelle für Suchtprävention des Diakonischen Werkes Eschwege/Witzenhausen werden Siebtklässler der Gesamtschule Witzenhausen, der Valentin-Traudt-Schule in Großalmerode sowie der Adam-von-Trott-Schule in Sontra das Thema Sucht im Unterricht aufgreifen.
,,Comic On" zeigte singend, tanzend und mit parodistischen Einlagen nicht nur Suchtverhalten bei illegalen Drogen. ,,Ein Gläschen in Ehren kann niemand verwehren." - Mit solchen Erwachsenensprüchen entlarvten sie gesellschaftlich anerkannte ,,Alltagsdrogen" wie Alkohol und Zigaretten.
Wie mit einer Fernbedienung zappten sich das Trio in verschiedenste Szenen mit jeweils unterschiedlichen Problemen: Kauf- und Geltungssucht, Eßstörungen, Tablettenabhängigkeit. Sucht nach Fernsehserien und Computerspielen. So hat ein Jugendlicher keine richtigen Eltern mehr, sondern ,,Mamagotchie" und ,,Papagotchie". Doch dann verliert er die Kontrolle, und die Computer singen ,,Wir übernehmen euch".
In der nahen Zukunft werden die Schüler mit Polizisten, Harald Nolte und ihren Klassenlehrern weiter diskutieren über Drogenprobleme, Abhängigkeiten und Suchtprävention.
Elternabende zum Thema Sucht folgen.
Im kommenden halben Jahr sollen die Siebtklässler ,,erleben, wovon das Leben wirklich abhängt". In einer von ansässigen Firmen gesponsorten Aktion entwickeln die Schüler Slogans, warum sie ohne Suchtmittel besser leben. Beispiele: ,,Sind richtige Freunde nicht besser als Drogen?" und ,,Laß dich nicht einwickeln vom falschen Glück: Setz dir Ziele!" -so zumindest hatten es im Frühjahr 98 Schüler aus Hessisch Lichtenau und Eschwege in einer solchen Aktion formuliert.
Die Ratschläge der Witzenhäuser, Großalmeröder und Sontraer Schüler sind ab März in Schulen, Geschäften und Behörden des ganzen Werra-Meißner-Kreises nachzulesen: Dann sind sie alle auf Fotos abgebilet, die zeigen, ,,wovon das Leben wirklich abhängt".

Zurück