PREDIGT von Pfr. Gottfried Heinzmann

Liebe Gemeinde,

Abhängig - wovon?
Das war das Thema unseres Konfirmanden-Projektes der letzten zwei Dienstage und des gestrigen Samstags und heute dieses Gottesdienstes. Wir haben ja schon einiges dazu gehört:
Das ist in der Tat eine spannende Frage für unser Leben, die sich viel öfter stellt, als wir es selber merken.
Wir meinen ja, wir sind unheimlich unabhängig: "Ich kann doch machen was ich will." Und merken gar nicht, dass wir schon längst von ganz vielem abhängig sind. Wir wären gar nicht auf der Welt aus uns selber. Abhängig wovon?
Ihr Konfirmanden habt es dargestellt in euren Collagen. Harald Nolte hat es noch einmal so deutlich gemacht: Abhängigkeit ist ja nicht nur etwas Negatives. Da denken wir zuerst dran, aber es gibt auch positive Abhängigkeiten. Abhängig sein von den Eltern. Das geht euch jetzt zwar manchmal ziemlich auf den Geist, aber letzten Endes ist es gut Eltern zu haben, die für einen da sind.
Es ist gut, Freunde zu haben, es ist gut, Menschen zu haben an die man sich wenden kann, die einen raten können, die einen auch ein Stück Vorbild und Halt sein können und für uns Erwachsene ist es dann manchmal die Frage, sind wir das eigentlich noch? Unseren Kindern, unseren Enkeln, den Menschen um uns her, sind wir Leute, die wissen wovon sich's lohnt abhängig zu sein und so auch ein Stück, ohne dass sie reden, Orientierung geben können.

Gottesdienst

Ich möchte aber heute noch ein Stück tiefer gehen. Es geht in unserem Leben nicht nur darum, falsche Abhängigkeit und Süchte zu vermeiden, das ist ganz wichtig und wie man das kann, da will ja z.B. auch die Suchtberatungsstelle helfen. Auch nicht erst wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist, sondern schon Aktionen in der Schule, ja eigentlich muss man schon im Kindergarten beginnen, Menschen zu helfen, gar nicht erst in Süchte zu kommen.

Aber es geht nicht nur darum, sondern es geht ja letzten Endes in unserem Leben um die ganz wichtige Frage: "Wovon hängt eigentlich mein Leben im letzten ab? Woran häng ich es, woran mach ich es dran fest? Was gibt meinem Leben eigentlich den festen Grund auf dem ich stehen kann. Ihr habt hier vorne auf dem Gottesdienstblatt dieses Bild von dem Bergsteiger. Wo ist der feste Fels an dem ich meinen Haken für mein Leben dran machen kann und wo der Haken nicht rausreißt. Das ist eine Frage, die uns alle angeht, euch die Konfirmanden und uns alle. Und ich möchte gar nicht lang drum herum reden, Jesus sagt uns: "Ich hab dieses Angebot." Er macht dabei die anderen Angebote nicht schlecht, die Eltern, die Freunde, das ist alles ganz wichtig, er beschenkt uns ja damit, er hat es ja so eingerichtet, unser Gott.
Aber er sagt den letzten, festen Grund, den tiefsten Grund, den Felsen, der auch in den Schwierigkeiten und den Stürmen des Lebens nicht locker und mürbe wird, den kann kein Mensch uns geben. So gut Menschen für uns sein mögen, den kann nur ich euch geben. Und er bietet uns in der Bibel einiges an. Er sagt uns: "Ich bin gekommen um den Menschen das Leben zu geben. Ein Leben in Fülle, ein Leben im Überfluss." Oder er nimmt das andere Bild: "Ich bin das Brot, das Leben schenkt." Natürlich im übertragenen Sinne, das sinnvolles Leben schenkt.
Wer zu mir kommt, der wird nie mehr hungrig nach Leben sein und überall rumjagen müssen und alles noch kriegen müssen, um irgendwie Leben ins Leben reinzukriegen. Wer sich an mich hält, wie der Bergsteiger festgezurrt ist an dem Seil, am Felsen. Wer sich an mich hält, sagt Jesus, der wird keinen Lebensdurst mehr haben und den letzten ultimativen Kick brauchen, um irgendwo noch Leben für sein Leben herauszuholen. Oder an anderer Stelle: "Wer sich an mein Wort hält, der hat ewiges Leben". Und dann sagt er oft: "Frei wollt ihr sein. Wer wirklich frei sein will, der soll sich an mich hängen. Ich mach ihn wirklich frei". Jesus, was gibt er mir denn? Das Wichtigste und das Tiefste eigentlich ist, wo alles andere mit drin ist, er liebt mich wie kein anderer. Er liebt mich ohne Vorbedingungen und er hört nicht auf mich zu lieben. Und deshalb gibt er meinem Leben Sinn, auch in Wegstrecken, wo ich nicht verstehe warum mir dies wiederfährt: Warum werde ich krank, warum stirbt mein Lebenspartner, warum kommen meine Kinder nicht zurecht? Auch wenn wir Christen sind, uns an Jesus halten, verstehen wir vieles in diesem Leben nicht.
Aber in ihm bin ich immer wieder gehalten und geborgen. Er gibt meinem Leben Geborgenheit über den Tod hinaus. Eine Zukunft, die nicht am Tod halt macht. Und deshalb kann ich ganz anders mit den Dingen dieser Welt umgehen. Ich muss nicht hier das Letzte rausholen. Ich kann gelassen sein. Weil Jesus mir eine ganze Ewigkeit schenkt. Ich bekomme hier nicht alle Wünsche erfüllt, aber ich bekomm ein erfülltes Leben.

Zwei Bilder möchte ich dazu einfach noch gebrauchen, die deutlich machen sollen, wie das mit dem Erfülltsein aussieht. (Einen präparierter Becher ohne Boden versuchen mit Wasser zu füllen) Ein schöner Becher, ach du liebe Zeit. Es bleibt nichts drin. Warum denn nicht? Ja, er hat keinen Boden. Es gibt ja das Sprichwort vom Fass ohne Boden. So ist mein Leben ohne Jesus. Da fehlt der Boden, da kann ich reinschütten, soviel ich will und manche Leute wollen mir alles rausholen vom Leben, wollen alles in sich reinschütten fürs Leben.
Er will mein Leben, meinem Fass sozusagen den Boden geben. Und dann gewinnen die Dinge dieses Lebens ihren eigenen Wert. Auch die Beziehung zwischen uns. Solang die Beziehung zu meiner Frau, die mir alles geben soll, ist die Ehe in der großen Gefahr kaputt zu gehen, als wirklich das zu geben. Aber wo ich diesen festen Boden habe, dann kann unsere Liebesbeziehung erst richtig erfüllt werden. Und der zweite Vergleich ist das Bild vom Bergsteiger, das auf dem Gottesdienstblatt abgedruckt ist. Er braucht den festen Felsen, wo er seinen Haken festmachen kann, das hatten wir schon gesagt. Und dann ist mir noch eine andere Bedeutung dieses Bildes gekommen, die auch wichtig ist, wenn ich mit Jesus lebe. Diesem Bergsteiger wird nicht die Mühe erspart, um auf den Gipfel zu kommen, muss er sich anstrengen, muss er immer weiter machen. Das ist oft mühevoll und manchmal denkt man zwischendurch, Mensch warum hab ich mich nur auf den Weg gemacht. So geht es uns mit Jesus auch oft.
Manchmal denkt man, ach du liebe Zeit, ist aber mühsam. Jesus erspart uns nicht die Mühe, auch mit ihm nicht, wir sind da nicht im Schlaraffenland. Aber er zeigt uns den richtigen Felsen, wo wir immer wieder unseren Haken festmachen können.

Das ist das andere, ich muss mich immer wieder neu festmachen in Jesus. Meinen Haken wieder neu einschlagen. Immer wieder neu, im Grund jeden Tag neu, jeden Morgen neu den Haken einschlagen und sagen: "Herr Jesus, ich will mit dir leben." Dann dürfen wir aber auch wissen, er bringt uns an Ziel, er geht mit uns und hält uns auch da, wo wir es selber nicht schaffen. Das geht über den Bergsteiger hinaus. Jesus lässt uns nicht hängen, sondern er hält uns am Seil.
Wie manchmal ja auch, wenn mehrere am Seil sind, der eine den anderen, der vielleicht seinen Haken nicht fest machen konnte, festhält. Und deshalb möchte ich euch, möchte ich Sie einladen, zu einem Leben mit Jesus. Ich möchte jedenfalls nicht ohne ihn mehr leben. Und ich wünsche euch und ich wünsche es einem jeden von uns, dass wir den festen Boden unter unser ‚Lebensfass' bekommen und dass wir uns abhängig machen von dem der uns hält. Amen.

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