Witzenhäuser Allgemeine 24.1.01 VON MAJA KOCH

Das Schüler-Multiplikatoren-Projekt "Peer Fighter" versucht, Schwachstellen bisheriger Sucht-Präventionsarbeit zu verringern. Die Schüler sind dafür speziell ausgebildet.

GROSSALMERODE - "Bei mir in der Klasse und im Freundeskreis gibt es Leute die Drogen nehmen, Peace und solche Dinge." Offen spricht ein Schüler ein Thema an, das den "Peer Fightern" der Großalmerode Bilsteinschule heiß auf den Nägeln brennt. Die "Peer-Fighter" gehören einem Schüler-Multiplikatoren-Projekt an und werden eigens ausgebildet. Nicht nur Drogen wie Cannabis haben sie den Kampf angesagt, die Schüler gehen in die Offensive in Sachen Sucht.
Insgesamt 14 Teenager aus vier verschiedenen Klassen der Gesamtschule haben an der Ausbildung zum Peer Fighter teilgenommen und wollen anderen helfen. Vor allem geht es bei dem Projekt um Suchtvorbeugung.
"Angesprochen wurden wir von unserer Vertrauenslehrerin", erinnert sich Vanessa Rheinländer an ihren Einstieg bei der Gruppe. Gleich zehn Schüler waren von Beginn an dabei. "Wir hatten dann eine Projektwoche, und von da an trafen wir uns alle zwei Wochen einmal", blickt sie zurück. Vertrauens- und Kennenlernspiele sowie viele Diskussionen und Informationen gehören zu der Ausbildung.
Eigenen Raum
Das ist heute mehr als ein halbes Jahr her; und die Schüler haben viel dazu gelernt, fühlen sich als Team, haben einen eigenen Raum und einen Namen: "Peer Fighter". "Es ist toll, dass wir einen Raum haben, wir richten ihn gerade ein", spricht Jenny Ludwig einen wichtigen Punkt an. Zeigt doch der eigene Raum, dass die Gruppe ernst genommen wird.
"Es geht aber nicht nur um Drogen, sondern auch darum, in Konfliktsituationen zu helfen", weiß Caroline Neumeier. In enger Zusammenarbeit stehen die "Peer Fighter" mit ihrer Vertrauenslehrerin Gabi Wolff und Harald Nolte von der Fachstelle für Suchtprävention in Eschwege, aber auch mit der Schülervertretung. "Es macht Spaß zu helfen", nennt Caroline ihre Motivation bei der Gruppe mitzumachen. "Es ist auch wichtig zu wissen, wie man Konflikte lösen kann", meint Elena Terenjuk. Indes fügt Judith Weber an, dass Schreien keine Lösung sei. "Aber auch das Verstehen, wie Süchte entstehen sei wichtig", meint sie. "Rein in den Drogenkreislauf kommt man schnell, aber raus dafür um so schwerer", betont Christian Pfeil.
Erhobener Zeigefinger
Und dennoch: Die "Peer Fighter" laufen nicht mit erhobenem Zeigefinger über das Schulgelände und fordern ihre Mitschüler auch nicht auf, das Rauchen zu lassen.
"Dann nehmen sie uns nicht ernst und kommen nicht zu uns. Solche Kontrollen bringen nichts", ist sich Katja Schuldt sicher. Viel mehr wollen sie, dass ihre Mitschüler wissen, "da ist jemand, der mir hilft, wenn ich Sorgen habe". Schließlich entstehe aus Konflikten oft Sucht.
Egal ob Handy, Computer, Essen, Trinken, Kaufen, Arbeiten, all das könne süchtig machen. "Das hat dann aber nichts mehr mit cool sein zu tun", wissen die "Peer Fighter" und achten - wenn auch eher aus dem Hintergrund - auf ihre Mitschüler.
Zudem können die "Peer Fighter bei Informationsveranstaltungen in der Förderstufe und der siebten Jahrgangsstufe in Diskussionsrunden oder beim Ankurbeln von Aktionen mitarbeiten.
"Das ist eine tolle Sache", freut sich auch Harald Nolte, über die gute Zusammenarbeit mit der Schule. Wegen der sich verschärfenden Suchtproblematik habe in den vergangenen Jahren die Suchtprävention im Bereich der allgemeinen Gesundheitserziehung an den Schulen wesentlich an Bedeutung gewonnen. Zwar können die "Peer Fighter" die Verantwortung von Eltern und Schule nicht ersetzen, jedoch für eine Ergänzung der pädagogischen Arbeit sorgen.
"Jugendliche verfügen untereinander über die gleichen oder zumindest sehr ähnliche Erfahrungen, Ängste und Probleme mit Eltern, Schule, Freundschaften und mehr Sie können sich daher besser in die Lage der Gleichaltrigen versetzen als erwachsene Pädagogen, die sich in einer anderen Lebenslage befinden", spricht er einen Grund an, warum Peer Education ein geeignetes Mittel in der Suchtpräventionsarbeit ist.
Die Jugendlichen müssen sich nicht erst eine Vertrauensbasis schaffen, sie gehören dazu, sind anerkannt. "Meinungen anderer Jugendlicher zählen phasenweise viel mehr als die der Erwachsenen", so Nolte.
Schüler helfen Schülern
Die "Peer Fighter" sind Schülerinnen und Schüler, die ausgebildet wurden, um in der Schule Aufgaben im Sinne der Suchtprävention zu übernehmen. Zur Ausbildung gehören Informationen über Alltagsdrogen und illegale Drogen, Suchtdynamik, persönliche Auseinandersetzung, Entwicklung von Strategien im Umgang mit Betroffenen, Grenzen der Hilfe, Interaktionsformen, Umgang mit Frustrationen, Kommunikation mit Suchtberatungslehrern der Schule. Wer bei den Peer Fightern mitmachen möchte oder Hilfe braucht, kann sich im A-Trakt (unten) der Gesamtschule im Raum 4 melden.

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