Werra-Rundschau vom 17.08.2000

SUCHTPRÄVENTION:
Lieber büffeln statt schnüffeln


"Sucht ist vielfältig", "Sucht entsteht allmählich", "Sucht hat viele Ursachen"


Das haben die Schüler zweier 7. Klassen der Rhenanus-Schule in Bad Sooden-Allendorf und der Integrierten Gesamtschule in Wanfried gelernt. Nach rund einem halben Jahr Vorbereitungszeit ist die dritte Plakataktion zum Thema "Erleben wovon das Leben wirklich abhängt" abgeschlossen.

WERRA-MEISSNER

Durch verschiedene Kampagnen, insbesondere auch Plakataktionen, ist in den letzten Jahren versucht worden, die Öffentlichkeit für das Thema Suchtprävention zu sensibilisieren und dabei ein allgemeines Verständnis für die Ursachenvielfalt süchtigen Verhaltens zu schaffen. Hierbei ist besonders an die Aktionen wie "Sucht hat viele Ursachen" aus der Schweiz zu denken.

Die Idee

Bei all diesen bundesweiten Aktionen, die durchweg sehr ansprechend und aussagekräftig sind, fehlte jedoch der regionale Bezug. Mit den Aussagen der Plakataktion konnte man sich identifizieren, nicht aber mit den abgebildeten Personen.

Mit dieser Diskrepanz nahm Harald Nolte von der Fachstelle für Suchtprävention Kontakt mit Kreißler Werbung auf, selbst Ausbildungsstätte für Jugendliche in kreativen Berufen. Man verständigte sich und beide Parteien zeigten sich von der Idee ein Poster mit Schulen des Werra-Meißner-Kreises zu gestalten begeistert, und kurzerhand wurde diese tolle Idee in die Tat umgesetzt.

In einigen intensiven Gesprächen mit der Werbeagentur entwickelte sich dann vor drei Jahren die Kampagne mit dem Ziel, zusammen mit Jugendlichen aus Schulen des Werra-Meißner-Kreises ein Plakat zur Suchtprävention zu entwickeln.

Ziele

Es sollten Fotocollagen entstehen, die möglichst authentisch das Alltags(er)leben Jugendlicher abbilden. Die Jugendlichen sollten sich mit Fragen von Suchtentstehung und Suchtursachen auseinandersetzen, herausfinden und erfahren, welche Schutzfaktoren es vor Sucht gibt und diese in Fotos und Jugendgemäße Slogans umsetzen. Die Plakate sollen provozieren, Fragen wecken und Menschen in der Region miteinander ins Gespräch bringen.

Sucht und Drogen

Das Besondere an diesem Projekt ist der völlig unkonventionelle Umgang mit dem Thema Sucht und Drogen, da nicht das Suchtmittel an sich im Mittelpunkt der Überlegungen steht, sondern nach alltäglichen Ursachen für Suchtverhalten gefragt und demzufolge überlegt werden sollte, wie Prävention aussehen kann, die ebenfalls im Alltag ansetzt.

Ausschlaggebend war auch die Idee, die Fotos in einem professionellen Atelier erstellen zu lassen und die Plakate möglichst aufwändig und hochwertig zu gestalten.

Vorgehensweise

In Zusammenarbeit mit der Fachstelle für Suchtprävention hat Kreißler eine Kampagne für Schulen entwickelt. Die Suchtprävention sprach und arbeitete mit den Schülern der hiesigen Region im Unterricht über das Thema. Durch Aufklärungsgespräche wurden die Schüler motiviert, ungezwungen - darüber zu reden.

Die Idee war es, eine Plakatserie in Multivision zu kreieren, in der sich die Schüler mit eigenen Ideen einbringen und sich wieder finden. Nach dem Motto "Die kenn ich, ich bin eine von euch". Durch spontan dargestellte Situationen soll eine breite Masse angesprochen werden. So entstand die Serie "Erleben wovon das Leben wirklich abhängt". Die Schüler haben sich im Unterricht intensiv auf das Fotoshooting vorbereitet. Sie haben selbst starke Themen entwickelt, die anschließend per Fotografie visualisiert wurden.

Ergebnis

Die Plakate werden in den nächsten Tagen in den Schulen und öffentlichen Gebäuden, in Geschäften, Jugendcafes und vielen anderen Objekten ausgehangen.
Die Motivation lautet "Sprecht uns an, wir gehören zu euch, habt Mut". Die Poster hängen in den Zimmern der Jugendlichen, Freunde, Familie und Bekannte können sie sehen. Das Thema ist somit überall präsent und vervielfältigt sich im Schneeballeffekt: Die Schüler sind Multiplikatoren. Vielen fällt es leichter, durch die direkte Beziehung sich mit dem Thema auseinander zu setzen. Durch diese persönlichen Kontakte wurde ein hohes Interesse bei der Zielgruppe geweckt. Das Plakat ist provozierend, weckt Fragen und bringt die Menschen untereinander ins Gespräch. Die Jugendlichen sind in ihrem Selbstwertgefühl gestärkt und haben Mut "Nein zu Drogen" zu sagen.

Sponsoring

Ohne die Unterstützung zahlreicher Organisationen und Geschäftsleute des Werra-Meißner-Kreises wäre eine solche Aktion undenkbar. Unter anderem erstellte das Werbeatelier Kreißler die Fotos (ca. 1000 Stück), die Druckerei Keitz und Fischer druckte die Plakate (1500 Stück) und der Rotary Club Eschwege unterstützt die Aktion der Suchtprävention im Werra-Meißner-Kreis seit 1998 nicht nur mit umfangreichen Finanzmitteln sondern stellt Autos für die Fahrt der Schüler zum Fotoshooting zur Verfügung.

Weiterhin beteiligt am dritten Plakat zum Thema Suchtprävention, Harald Nolte von der Fachstelle für Suchtprävention, natürlich die Klassenlehrer der Integrierten Gesamtschule in Wanfried und der Rhenanus-Schule in Bad Sooden-Allendorf und am Rande noch die Polizeidirektion Eschwege, die Aufklärungsarbeit in den Schulen geleistet hat.

Wer ein oder mehrere Plakate haben möchte um diese auszuhängen kann sich das Poster bei der Fachstelle für Suchtprävention, Zweckverband Diakonisches Werk, Neuer Steinweg 9 in Eschwege, abholen.

Die Schüler der Rhenanus-Schule Bad Sooden-Allendorf und der Integrierten Gesamtschule Wanfried sind in diesen Tagen unterwegs um die Plakate gut sichtbar zu platzieren und somit Aufsehen zu wecken. (Olaf Triltsch)

Suchtprävention im Internet: www.eschwege.de/suchtpraevention, gesponsert von
Werbe- und Internetagentur LEO, Schloss Jestädt, 37276 Meinhard.

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