Werra-Rundschau vom 1.2.2001
WALDKAPPEL Der Kindergarten in Waldkappel führt in diesem Jahr bereits zum vierten Mal das Projekt "Spielzeugfreier Kindergarten" zur Suchtprävention durch.
Für einen begrenzten Zeitraum bis Mitte April - wurde mit Einwilligung der Kinder und Eltern sämtliches Spielzeug aus der Kindertagesstätte entfernt, sollen den Mädchen und Jungen so Zeit- und Spielräume geschaffen werden, in denen sie "zu sich kommen" ihre eigenen Bedürfnisse spüren sowie ihre eigenen Ideen und Phantasien entwickeln können. Dabei machen die Kinder Erfahrungen mit ihren eigenen Möglichkeiten und Grenzen, können so "Lebenskompetenz" erwerben, die als wirksamer Schutzfaktor gegenüber Sucht angesehen wird.
Begleitet wird das Projekt von der Fachstelle für Suchtprävention in Eschwege.
Die heutige Suchtprävention will nach den Worten von Harald Nolte, Leiter der Fachstelle in Eschwege, durch frühzeitige pädagogische Einflussnahme mögliche Ursachen von Sucht verhindern helfen. Bei einem umfassenden Verständnis von Suchtprävention gehe es nicht nur um illegale Drogen, sondern auch um legale Stoffe wie Alkohol, Medikamente und Tabak. Auch süchtige bzw. suchtartige Verhaltensweise wie u.a. übermäßiges Essen, Fernsehen oder Videospielen werden mit einbezogen.Ziel ist es dabei, Kinder gegen süchtiges Verhalten, legalen und illegalen Drogenkonsum und -missbrauch zu schützen.
Das Projekt "Spielzeugfreier Kindergarten" schafft den Kindern einen Spiel-Raum, in dem sie ihre Möglichkeiten und Grenzen ohne (industrielles) Spielzeug erproben können.
Da in dieser Zeit die Aktivitäten in erster Linie von den Kindern ausgehen, können sie die Funktionen bestimmter Lebenskompetenzen - Selbstwert und Selbstvertrauen, Beziehungs- und Konfliktfähigkeit, Frustrationstoleranz, Eigenaktivierungsfähigkeit, Förderung der Genuss- und Erlebnisfähigkeit sowie des Gemeinschaftssinns, Fähigkeit zur Wahrnehmung und zum Ausdruck von Gefühlen - als sinnvoll erleben einschätzen und weiterentwickeln", so Nolte. Dazu gehöre auch, einmal zu erleben, dass nicht alles klappt, dass man auch einmal Frustrationen aushalten muss, ohne dass diese gleich von Erwachsenen ausgeglichen werden.
(mö)