Peer Fighter 2005
Peer-Fighter als Ansprechpartnerinnen

Cappucino, Tee, Kuchen und elf quirlige Teenager, die sich mit Küsschen begrüßen: So fröhlich beginnt das Treffen der "Peer fighters" der Valentin-Traudt-Schule in Großalmerode. Doch dann geht´s gleich ernst und konzentriert zur Sache: Jenny berichtet von einer heftigen Prügelei zwischen zwei Jungs, und Julia erzählt von einer Fünfklässlerin, die sich von ihrer besten Freundin im Stich gelassen fühlt. Später wollen die "Peer fighters" über einen neuen Fall sprechen: Jemand ist eine Schülerin mit offensichtlichen Selbstzerstörungstendenzen aufgefallen. Die "Peer fighters" wollen beraten, wie sie ihr helfen können.

Raufereien, Mobbing, seelische Nöte: Die Probleme der mehr als 600 Schüler der Valentin-Traudt-Schule ähneln denen anderer Schulen im Land. Besonders ist hier jedoch, dass sie sich selbst um Lösungen kümmern. "Peer fighters" nennt sich die Gruppe von etwa zehn Mädchen, die sich an jedem Mittwoch treffen. Mit von der Partie ist Gabi Wolff, Fachlehrerin sowie Beratungslehrerin für Suchtprävention. Sie begleitet die "Peer fighters". "Ohne sie würde dieses Projekt niemals so gut laufen", sagt Harald Nolte. "Eine vorbildliche Lehrerin."

"Peer-Counselling" heißt dieses Projekt, das Harald Nolte von der Fachstelle für Suchtprävention in Eschwege/Witzenhausen, einer Einrichtung des Diakonischen Werks, an mehreren Schulen im Werra-Meißner-Kreis initiierte. Der Ansatz nennt sich "Peer education". Dahinter steht die Einsicht, dass sich Jugendlichen eher untereinander beeinflussen: "In der Pubertät nimmt der Einfluss der Erwachsenen ab", erklärt Nolte. "Viel wichtiger ist dann, wie sich der Freund oder die Freundin verhält oder was die Mitschüler sagen." Das funktioniere im Negativen, etwa wenn Zwölfjährige miteinander die erste Zigarette qualmen. Das wirke aber auch im Positiven: Lernt der Raufbold, mit Worten zu streiten, beeindruckt das wahrscheinlich seinen Tischnachbarn. Gewaltprävention und Suchtprävention sind die beiden übergeordneten Ziele, denn Aggressionen und Süchte haben eine gemeinsame Wurzel: mangelndes Selbstvertrauen. Dazu gehört auch, eigene Stärken aber auch Grenzen kennen zu lernen, Eigeninitiative und Mut zu entwickeln. Deshalb setzt ein weiteres Projekt von Harald Nolte im Kindergarten an. "Mäxchen trau´ Dich" ist der Titel eines Puppenspiels, das als eine Art Türöffner dient, um Kinder, Eltern und Erzieherinnen an diese Themen heranzuführen. Bei den "Steppkes" wird so die Basis gelegt, um Gewaltbereitschaft und Sucht gar nicht erst entstehen zu lassen: "Prävention beginnt nicht erst beim ersten Konsum von Suchtmitteln", erklärt Nolte. "Auch, damit erst ab der 7. Klasse zu beginnen, ist eigentlich zu spät."

Heidi Hamdad, Blick in die Kirche 2/2005

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