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"Die Kinder sollen Fantasie entwickeln" : Spielzeug verschwindet aus der Tagesstätte
Reichensachsen
Am Samstag, den 13.4. haben die Mädchen und Jungen, die den Kindergarten in
Reichensachsen besuchen, ihr Spielzeug zusammengeräumt und lagern es für drei
Monate aus. Die Eltern hatten sich zuvor mit großer Mehrheit für den
spielzeugfreien Kindergarten, ein Projekt aus der Suchtprävention, ausgesprochen.
Ein Interview mit der stellvertretenden Kindergartenleiterin Edith Kiebach führte
Harald Sagawe von der Werra-Rundschau (WR).
 
WR: Warum wird der Kindergarten spielzeugfrei?
Kiebach: Wir haben gemerkt, dass den Kindern viele Freiräume genommen werden. Sie sind ständig unter Aufsicht und bekommen vorgefertigte Spielsachen. Wir wollen
ihnen helfen Fantasie zu entwickeln und mit einfachen Gegenständen umzugehen.
WR: Was halten die Kinder von der Idee?
Kiebach: Die Mädchen und Jungen sind sehr gespannt darauf. Sie probierten vergangene Woche schon aus, ohne Spielzeug zu spielen. Sie entwickeln neue Fantasien. Einige Kinder haben sogar zu Hause ihre Spielsachen beiseite geräumt. Andere finden das gar nicht gut.
Sie fragen, womit sie denn jetzt noch spielen sollen.
WR: Wie haben Sie die Kinder auf die Aktion vorbereitet?
Kiebach: Wir reden seit einigen Wochen über das Thema und über die Regeln der nächsten drei Monate. Die Spielsachen haben wir gemeinsam mit den Kindern verpackt, und heute werden wir sie auch gemeinsam auslagern. Die Kleinen wissen genau, was sie erwartet. Und weil Stück für Stück verpackt wurde, konnten
sich die Mädchen und Jungen auch stückweise von ihren Spielsachen verabschieden.
WR: Haben Sie während der drei Monate besondere Aktionen geplant?
Kiebach: Ja. Zum Auftakt und während der Aktion wird Präventionsberater Harald Nolte uns begleiten. Darüber hinaus haben wir einen Großelterntag geplant. Wir laden Omas und Opas ein und bitten sie uns von ihrer Kindheit zu berichten. Wir möchten wissen, womit sie gespielt haben.
WR: Wie lange bleibt der Kindergarten spielzeugfrei?
Kiebach: Drei Monate. Unmittelbar vor den Sommerferien Mitte Juli werden wir das Spielzeug zurückholen. Aber das geschieht schrittweise auch schon davor. Wir holen einzelne Dinge auf Wunsch der Kinder gemeinsam zurück. In der kommenden Woche müssen die Kinder komplett auf Spielsachen verzichten. Danach sind dann zunächst einfache Hilfsmaterialen erlaubt. Scheren, Stifte oder Klebstoff werden in eingeschränktem Umfang zugelassen sein.
Die Kinder dürfen aber auch einfache Dinge von Zuhause mitbringen.
 
 
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